13.03.2012

27. PV-Symposium - Pressemeldung und "Staffelsteiner Erklärung 2012"

Im Rahmen der Veranstaltungswoche „Photovoltaik“ mit dem 27. OTTI-Symposium „Photovoltaische Solarenergie“ trafen sich vom 27. Februar bis 2. März mehr als 1.400 Fachleute der Branche in Kloster Banz, Bad Staffelstein zum Austausch über die neuesten technischen Entwicklungen. Die zeitgleich vorgelegten Änderungspläne der Bundesregierung zum EEG überstrahlten die vielfältigen Innovationen. Jahrzehntelange Investitionen in Forschung, Entwicklung und Anwendung in Deutschland werden in der zukünftigen Umsetzung in die wirtschaftliche Praxis behindert, der Solar-Industriestandort Deutschland gefährdet. Der wissenschaftlich-technische Tagungsbeirat hat deshalb die „Staffelsteiner Erklärung 2012“ verfasst, um sachorientierte Diskussionen an Stelle der kurzatmigen Entscheidungen im stillen Kämmerchen zu initiieren.


Der Branchentreff für die Solarindustrie stand in diesem Jahr unter dem Eindruck der massiven und überfallartigen Vorschläge der Bundesregierung zum EEG. Dies zog sich als Hintergrund zu den etwa 100 technischen Vorträgen und Posterpräsentationen durch und war auch an den Ständen der mehr als 120 Aussteller immer wieder Diskussionsstoff. Dabei hat die Branche eine Erfolgsstory zu präsentieren, die in den letzten Jahren durch intensive Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen und den damit verbundenen technischen Fortschritt die vergangenen, bereits tiefen Einschnitte in der Förderung von Solaranlagen kompensieren konnte. Durch den dadurch ermöglichten Zubau an PV-Anlagen konnte nachweislich die Netzstabilität in Deutschland im vergangenen Jahr bereits verbessert werden.


Das Symposium „Photovoltaische Solarenergie“ wird seit 27 Jahren vom Ostbayerischen Technologie-Transfer-Institut (OTTI) organisiert. Als wissenschaftlicher Tagungsleiter zeichnete in diesem Jahr Herr Dr. Marc Köntges vom Institut für Solarenergieforschung Hameln/Emmerthal verantwortlich. In der Eröffnungssitzung wurde mit dem Eindruck der geplanten Neuerungen über das EEG, über die Förderung von F&E sowie über die PV-Märkte berichtet und diskutiert. Frau Dr. Karin Freier vom Bundesministerium für Umwelt erläuterte Inhalt und Absichten des vorliegenden Kompromissvorschlags zur Novellierung des EEG. Die Vorreiterrolle Deutschlands betonte Markus Lohr von EuPD-Research, der auch aufzeigte, dass eine marktgetriebene, fördermittelunabhängige Nachfrage in wenigen Jahren bevorsteht.


Weitere Sitzungen des Symposiums behandelten Themen wie „PV-Recht und EEG 2012“, „Simulation/Energiemeteorologie“, „Anwendungen und Betriebserfahrungen“ „Modulcharakterisierung“ „Integration und dezentrale Netzstruktur“, „Netzmanagement“ und „Speicher(n) im Netz“. Mythen und Fakten zu Bränden von PV-Anlagen, aktuelle Ökobilanzen zu Photovoltaik und Perspektiven Wafer-basierter Solarmodule wurden in einem Sonderblock vorgestellt. Im Festvortrag zum Thema „Power-to-Gas“ diskutierte Dr. Michael Specht vom Zentrum für Solarenergie- und Wasserstoff-Forschung. einen besonders attraktiven Weg, die große Herausforderung der Energiespeicherung zu lösen.


Im Einzelnen waren in den Beiträgen vielfältige Neuerungen und zukunftsweisende Konzepte zu erfahren. So zeigte Dr. Christian Breyer vom Reiner Lemoine Institut GmbH, Berlin auf, dass sich Solarstrom und Windenergie sowohl im Tagesverlauf als auch im Zeitraum eines Jahres hervorragend ergänzen. Beide gemeinsam sind die notwendigen Beiträge zur Energiewende, neben den notwendigen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und dem Aufbau intelligenter Verteilnetze. PV-Strom bringt dabei die Chance mit sich, als dezentrale Energie den Ausbau der Stromnetze nicht überstürzen zu müssen. Bereits heute ist PV-Strom ein wesentlicher Baustein zur Senkung der Spitzenlastpreise an der Strombörse, da ihr Erzeugungsmaximum mit der Zeit des höchsten Strombedarfs zusammenfällt. 


Im Schwerpunktthema „Speicherung von elektrischer Energie“ gab Georg Bopp vom Fraunhofer-Institut für Solare Energieforschung ISE, Freiburg ein Überblick zum Stand der Forschung und tatsächlichen, aktuellen Anwendungsmöglichkeiten. Die Vielzahl der Forschungsprojekte wie diverse Batteriekonfigurationen und chemische Systeme sind in der Realität noch auf wenige anwendbare Techniken, insbesondere Pumpspeicherkraftwerke beschränkt. Für kleinere Anlagen sind aber schon sehr konkrete Konzepte untersucht, die bereits in den nächsten Jahren umgesetzt werden könnten.


Als Initiative des Tagungsbeirates des Symposiums „Photovoltaische Solarenergie“ sowie dem CEO-Panel des PV-Industrieforums wurde die „Staffelsteiner Erklärung 2012“ erarbeitet. In sieben Punkten wurden als Reaktion auf die Gesetzesinitiative der Bundesregierung von Dr. Hubert Aulich - PV-Crystallox Solar PLC und Sprecher des Solar Valley Mitteldeutschland e.V., Erfurt -, Günther Cramer - SMA Solar Technology AG, Niestetal und Präsident des Aufsichtsrates des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V., Berlin -, Eckardt Günther - Bereichsleiter Erneuerbare Energien des OTTI e.V. Regensburg, Ralf Haselhuhn - DGS e.V., Berlin / Vorsitzender Fachausschuss Photovoltaik, Dr. Winfried Hoffmann - European Photovoltaic Industry Association (EPIA), Brüssel, Belgien - und Prof. Dr. Eicke Weber - Institutsleiter des Fraunhofer-Institut für Solare Energieforschung ISE, Freiburg und Mitglied im Direktorium des Forschungsverbundes Erneuerbare Energien FVEE, Berlin - Fakten dokumentiert und Vorschläge erarbeitet, um die Energiewende im Zusammenwirken aller Beteiligter erfolgreich zu gestalten. Eine große Zahl der Teilnehmer solidarisierten sich mit  dieser Initiative per Unterschrift und spendeten spontan mehr als 5.000 ¤, um die Kommunikation der Argumente zu unterstützen.


Dr. Thomas Luck, OTTI e.V., Regensburg

 

Dateien:
Final_Staffelsteiner_Erklaerung_2012.pdf41 K
Impressionen_2012.pdf7.2 M
Pressemitteilung_Vorderwuelbecke.pdf43 K

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